Zahnersatz im Ausland

In der Presse wird der Anfertigung von Zahnersatz im Ausland nach den jüngsten Diffamierungskampagnen der gesetzlichen Krankenkassen ein breiter Raum gewidmet.



Welche Chancen und Risiken birgt eine Anfertigung von Zahnersatz im Ausland?

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Der Ersatz von eigenen Zähnen durch künstliche Materialien muß zwangsläufig individuell erfolgen, da jedes Gebiß unterschiedlich ist. So wird jeder Zahnersatz in Handarbeit für jeden Patienten einzeln angefertigt. Daraus resultiert, daß sowohl die Herstellung des Ersatzes im zahntechnischen Labor, wie auch die Tätigkeiten in der Zahnarztpraxis äußerst lohnintensiv sind. Die Materialkosten sind abgesehen von den Edelmetalllegierungen zu vernachlässigen. Da wir in der Bundesrepublik in einem Land leben, daß weltweit die höchsten Lohnnebenkosten (42% Sozialversicherung, Steuerprogression, Berufsgenossenschaft etc.) hat, muß im Ausland gefertigter Zahnersatz zwangsläufig billiger sein ,als er es im Inland sein kann. Die Kosten in einer ausländischen Praxis und im Labor sind einfach niedriger, dementsprechend kann natürlich auch der Preis für den angefertigten Zahnersatz niedriger sein. Je nachdem, in welchem Land man den Ersatz herstellen läßt, sind die Preisunterschiede nicht unerheblich. Die Qualität der Arbeit wird nicht besser sein, als sie es in der Bundesrepublik ist, da das Niveau der deutschen Zahnmedizin im internationalen Vergleich zur Weltspitze zählt. Allerdings kann natürlich im Ausland eine Arbeit in gleicher Qualität wie im Inland hergestelt werden. Auf der anderen Seite besteht aber natürlich auch die Gefahr, daß bei einer Behandlung im Ausland der deutsche Standart nicht erreicht wird. Für einen normalen Patienten ist es jedoch sehr schwer, dieses zu beurteilen.



Wie bereits oben beschrieben, ist die Anfertigung von Zahnersatz eine individuelle und komplexe Behandlung. Dazu gehört eine entsprechende Vorbehandlung des Gebisses. In den meisten Fällen ist es nicht damit getan, ein paar Zähne zu beschleifen, einen Abdruck zu machen und eine Brücke auf die Pfeiler zu zementieren. Der Zahnhalteapparat muß vorbereitet, und oftmals müssen Füllungen ersetzt werden. Zwingend erforderlich ist nach der Eingliederung eine Nachsorge. Oftmals sind nach dem Einsetzen noch Korrekturen notwendig, die nicht auf schlechte Qualität bei der Anfertigung zurückzuführen sind, sondern aus der individuellen Situation bzw. dem Empfinden des Patienten resultieren.
Dieses alles läßt sich nicht einem dreiwöchigen Urlaub in Ungarn oder auf Mallorca leisten. Dort besteht gerade die Zeit, einen Ersatz anzufertigen und einzugliedern. Weder eine Vorbehandlung noch eine vernünftige Nachsorge ist in dieser Zeit möglich.

Der wichtigste Punk ist aber, das Arzt-Patienten-Verhältnis. Anfertigung von Zahnersatz ist etwas anderes, als wenn ich mein Auto zur Reparatur in die Wertstatt gebe. Eine solche Behandlung stellt immer einen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit dar. Ganz schmerzfrei kann auch der beste Zahnarzt nicht arbeiten. Folglich muß eine Vertrauensbasis vorhanden sein, damit die Behandlung erfolgreich abgeschlossen werden kann. Patienten besuchen eine Praxis, weil sie von anderen empfohlen worden ist. Dann entwickelt sich dieses Vertrauensverhältnis während der Vorbehandlung. All das kann aber ein Kurzbesuch während des Urlaubs nicht leisten. In unserer heutigen Zeit, wo Hektik und Schnellebigkeit zur Tagesordnung gehören, erfolgt auch im medizinischen Bereich immer mehr eine Rückbesinnung zu alternativen und ganzheitlichen Methoden und dies mit nachweislichen Erfolgen. Gerade diese basieren auf einer lang angelegten Zusammenarbeit zwischen Patient und Arzt. Auch dem würde eine derartige Behandlungsform im Ausland wiedersprechen.

Selbstverständlich können Bundesbürger, die ständig im Ausland leben, dort auch ihren Zahnersatz ohne besondere Risiken anfertigen lassen. Für Patienten, die sich aber nur kurz im Ausland aufhalten birgt eine solche Lösung unkalkulierbare Risiken. Nicht unterschätzt werden sollte die Frage der Gewährleistung. Ein deutscher Zahnarzt ist nach dem Kassenrecht verpflichtet auf Zahnersatz eine Gewährleistung von zwei Jahren zu gewähren. Einen solchen Anspruch gegen einen Zahnarzt im Ausland geltend zu machen wird ungleich schwieriger sein, als das im Inland der Fall ist. Und selbst wenn ein Mangel vom Behandler akzeptiert wird muß sich der Patient wieder zum Urlaubsort begeben, um seinen Ersatz korregieren zu lassen. Ein vermeindlicher Preisvorteil kann sich somit sehr schnell ins Gegenteil verkehren.



Zum Schluß sei noch die Rolle des deutschen Zahntechnikerhandwerks angesprochen. Sollte ein erheblicher Teil neuen Zahnersatzes im Ausland angefertigt werden, wie es die Krankenkassen, allen voran die Barmer Ersatzkasse,  ja schon seit Jahren fordern (Behandlung beim deutschen Zahnarzt, Anfertigung des Ersatzes in Fernost) so werden Zahntechniker in erheblichem Maße arbeitslos werden, da zahntechnische Labore fast ausschließlich Zahnersatz herstellen. Diese werden dann die angespanten Sozialsysteme in der Bundesrepublik zusätzlich belasten. Das Gegenteil der beabsichtigten Einsparungen wäre das Ergebnis. Und wer macht dann in Zukunft die Reparaturen an vorhandenem Zahnersatz? Prothesen müssen regelmäßig unterfüttert werden oder brechen schon mal. Schicken wir diese Patienten dann für eine Reparatur, die in Deutschland einen halben Tag dauert, nach Mallorca, oder senden den Ersatz per Luftfracht für eine Woche nach Fernost?
Bei näherer Betrachtung leuchtet sicherlich auch dem medizinische Laien ein, daß die erhöhten Risiken für eine Zahnersatzbehandlung im Ausland in keinem Verhältnis zu den rein materiellen Vorteilen stehen. Gesundheit ist das wichtigste Gut, das ein Mensch haben kann und sollte somit auch entsprechend behandelt werden.



Für weitere Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung:  info@johlitz.com

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